Samstag, 15. Dezember 2007

SALAMANCA

So, nachdem ich nun gebeutelt von dem leckeren Essen im Bett liege, während Julian Valenica - Barcelona anschaut, werde ich euch mal ein bißchen von unserer Salamanca erzählen...
Am Freitag um 7 Uhr frühs ging mit einem komfortablen Reisebus die 10stündige Reise ins 620 km entfernte Salamanca los. Durch zwei Filme, Musik und natürlich Schlaf verging die Fahrt nach Madrid recht schnell. Übrigens ist es hier sehr üblich mit dem Bus herumzureisen, was auch um einiges billiger normalerweise als der Zug ist - zumindest hier in Andalusien, wo die Bahnstrecken noch nicht so gut ausgebaut sind. Wir haben für unsere Fahrt nach Madrid nur 15 Euro zahlen müssen, für 5 Stunden Busfahrt ein wahres Schnäppchen!
In Madrid machten wir dann erstmal Bekanntschaft mit der Metro, die uns zum RENFE - Bahnhof (span. Pendant zur dt. Bahn) brachte. Von Madrid sind es nochmal 1-2 Stunden Zugfahrt, je nach "Bahnart". Die Fahrt läuft durchs unspektakuläre Nirgendwo, kaum Orte und so waren wir froh, endlich in Salamanca anzukommen. Dort holte uns Saskia am Bahngleis ab, meine Freundin und Mitbewohnerin aus Gießen, die dort ihr Auslandssemester macht.
Wir brachten unsere Sachen in ihre 5er-Mädels-WG und gingen dann erstmal bummeln...endlich mal wieder ein H&M und Julian schaute und probierte sogar länger als ich :)
Salamanca hat ca. 170000 Einwohner und wirkt auch wirklich kleiner als Granada. Der Mittelpunkt der Stadt ist der schöne Plaza Mayor, der weihnachtlich-schön (!) geschmückt war. Nachdem wir noch Saskias Sprachenfakultät - die in einem sehr schönen alten Gebäude mit typischen Patio (Innenhof) ist - besichtigt hatten, gingen wir mit Saskia, ihren Mitbewohnern und einer Schar Franzosen italienischen Essen.
Den Bildern könnt ihr entnehmen, wie riesig die typisch italienische Pizza war! Danach waren wir recht müde und gingen schlafen...Julian auf dem quitschigen Sofa im Wohnzimmer und ich auf den Steinboden bei Saskia, der sich dann leider doch als etwas hart herausstellte.
Am Samstag standne Julian und ich dann recht früh auf und machten uns auf den Weg, wir wollten schließlich das volle Touriprogramm durchziehen.
Wir liefen an dem Convento de las Ursulas vorbei, bei dem auch eine Statue von Miguel de Unamuno steht. Miguel de Unamuno war ein spanischer Schriftsteller/Philos und Rektor an der berühmten Uni in Salamanca.
Weiter auf unserer Laufroute standen das beeindruckend große und schöne Kloster San Esteban, eine Privatuni, die öffentliche Bibliothek mit schönem Innenhof und das Casa de las Conchas. Dieses ist mit vielen Steinen in Jakobsmuschel-Form verziert und beherbergt heute die Touristeninfo, die uns mit Stadtplänen versorgte.
Die Highlights schauten wir dann erst mit der Spätaufsteherin Saskia an, die nach einer kleinen Mittagspause in einem Café zu uns stieß.
Mit ihr schauten wir uns die zwei Kathedralen an - die alte und die neue. Die ältere (um 1100 gegründe) ist fest mit der neueren (ab 1513 gebaut) verbunden und von außen gar nicht als eigenstehendes Gebäude zu erkennen.
Während man die neue Kathedrale ohne Eintritt zu bezahlen besichtigen darf, muss man für die ältere Eintritt bezahlen und ein bißchen anstehen. So sehr lohnt es sich ehrlichgesagt nicht, der Altar ist mit seinen vergoldetenen Darstellungen aus dem Leben Jesu schon beeindruckend, aber sonst gibt es nur viele kleine unspektakuläre Räume zu besichtigen. Das Beste ist eigentlich der Zugang zu den Dächern der Kathedralen (der natürlich noch einmal extra kostet). Über viele hohe Stufen und mit Pause auf der Brüstung der neuen Kathedrale (von wo man die Tourimassen beobachten kann), gelangten wir aufs Dach der Kathedralen, wo man einen Rundumblick über Salamanca erhält. Beeindruckend hierbei ist vor allem, dass sehr viele Gebäude in Salamanca (v.a. fast alle Sehenswürdigkeiten) aus dem gleichen Stein gebaut sind. Julian meinte sehr treffend, dass es dort fast wie in Disneyland aussehen würde...und das stimmt...Die Kernstadt besteht aus dem gleichen Stein, alles ist sehr sauber und gepflegt........eben total anders als in Granada!
Nach der Dachbesteigung schauten wir uns noch die alte Universität von außen an...Auf der sehr aufwändig verzierten Front gibt es einen versteckten Frosch...Wenn man diesen selbst findest, soll das Glück bringen! Leider ist es uns nur mit Hilfe gelungen...gibt also nur die halbe Portion Glück für uns.
Dann sind wir erstmal durchgefroren zu Saskia in die geheizte Bude (obwohl es eine alte Wohnung ist, sehr gutes Heizsystem...ist im Norden wohl einfach anders...). Dort schlugen wir uns den Bauch voll und ruhten uns bei "Deutscher Welle" aus...Saskia war leider zu müde um noch mit uns rumzulaufen und so gingen wir noch zu 2t ein bißchen spazieren...Wir liefen am Fluß entlang, von dem man die schön beleuchteten Gebäude sehen kann und nach einem kurzen Barbesuch gingen wir auch schon wieder ins Bett.
Der nächste Tag stand im Zeichen der Universität (die mit dem Frosch). Wir besichtigen alte Hörsäle, die berühmte alte Bibliothek und die Unikapelle. Ein kleiner Patio führt dann zum "Cielo de Salamanca", also dem Himmel von Salamanca. Damit ist ein Deckenfresko von Fernando Gallego gemeint, der den Stand der Himmelskunde des 15. Jhd dazustellen versuchte.
Gegen Mittag war es auch schon wieder Zeit unser Gepäck und Saskia in der Wohnung abzuholen um an den Bahnhof zu gehen. Wir fuhren wieder erst mit dem Zug nach Madrid und dann gings mit dem Bus weiter...Wir mussten doch etwas komisch schauen, als wir in einem etwas abgeranzten Bus stiegen, ohne Klo (!), der zudem nur von 9 Menschen besetzt war.......Wir hatten nämlich Tickets für den 6. Bus, der zu dieser Zeit von Madrid nach Granada fuhr...Wegen der Puente (Feiertag plus Brückentag plus Wochenende) hat ein einziger Bus nicht ausgereicht. Leider wurde an der zweiten Haltestation der Bus doch noch voll, so dass wir zusammengequetscht 5 Stunden ausharren mussten...aber schließlich kamen wir doch gesund und einigermaßen munter abends in Granada an.
Der Salamanca-Ausflug hat sich für mich wirklich gelohnt, natürlich weil ich Saskia wieder sehen konnte und weil Salamanca eine wirklich schöne Stadt ist.
Irgendwie fehlte aber auch der Lärm und der Schmutz und die vielen Kneipen, deswegen bereuen wir es nicht, in Granada zu studieren und nicht in Salamanca, beides sind nämlich DIE Studentestädte überhaupt!

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